Digital unabhängig – in Potsdam und in der Verwaltung
Ein alter Laptop, etwas mehr RAM, und plötzlich läuft Ubuntu wieder – so sieht digitale Selbstermächtigung aus. So gesehen beim ersten DI.DAY der Potsdamer Linken, den die AG Kommunal.Digital gemeinsam mit der LAG Netzpolitik veranstaltet hat.
Der bundesweite Aktionstag „Digital Independence Day“ für digitale Selbstbestimmung macht genau das möglich: von großen, profitorientierten Tech-Konzernen auf freie, datenschutzfreundliche und offene Alternativen umsteigen. Statt Abhängigkeit von Tech-Milliardären setzen wir als Linke auf demokratische, transparente und solidarische digitale Infrastruktur.
Es kamen Genoss*innen jeden Alters mit ganz konkreten Anliegen ins rotbloq: Das perfekte Linux-System für ein Macbook wurde gefunden – und unnötige Google-Apps im Android-Betriebssystem des Smartphones deaktiviert. Wir haben gemeinsam den Umstieg von PayPal auf WERO geübt – die europäische Zahlungsalternative, die ohne US-Konzerne auskommt. Und wir haben besprochen, wie man Freund*innen sanft von WhatsApp zu Signal lotst. Die „Wechselrezepte“ des DI.DAY haben sich dabei als echte Hilfe erwiesen. Fazit: toller Austausch – wir machen das wieder!
Doch digitale Souveränität ist nicht nur eine Frage persönlicher App-Entscheidungen. Sie ist auch eine politische. Das zeigt sich gerade in Potsdam: Seit Frühjahr 2025 läuft in der Wohngeldstelle „Wohni“ – ein KI-System einer Privatfirma, das Anträge prüft und Anschreiben erstellt. Was nach Modernisierung klingt, wirft grundlegende Fragen auf: Was ist mit Datenschutz, algorithmischen Fehlern und der Mitbestimmung der Beschäftigten?
Wir sagen klar: KI darf gesellschaftliche und politische Verantwortung nicht ersetzen. Algorithmen können vielleicht unterstützen – aber entscheiden, ob jemand Wohngeld bekommt, muss immer ein Mensch. Wir fordern ethische Folgenabschätzungen, Transparenz über Fehlerquoten, den Vorrang von Open-Source-Lösungen und echte Mitbestimmung der Beschäftigten. Die Stadt arbeitet gerade an einer KI-Strategie – das ist ein Schritt. Wirklich sozial wird Digitalisierung aber erst, wenn Bürger*innen, Personalräte und Stadtverordnete mitentscheiden, wo KI sinnvoll ist und wo nicht.
Digitale Infrastruktur ist Teil öffentlicher Daseinsvorsorge – ob beim Di.Day-Laptop oder beim Wohngeldantrag.
Artikel aus „Potsdams andere Seiten“ März 2026 (S. 2):

