„Wer macht eigentlich was gegen die hohen Mieten?“

Unter dem Motto „Die Hoffnung organisieren“ kamen am 28.2. kamen rund 25 Genoss:innen aus allen Ortsverbänden im Bürgertreff Waldstadt zusammen, um den Start der Mietenkampagne 2026 in Potsdam einzuläuten. Die Veranstaltung war ein Nachholtermin, da der für Januar angesetzte, zentrale Auftakt wetterbedingt verschoben werden musste. Das Ziel dieses Treffens war die Vorstellung der bundesweiten Kampagne mit ihren Schwerpunktthemen, der Bekämpfung steigender Mieten und Nebenkosten und der Ausbau konkreter Hilfs- und Vernetzungsangebote für Mieterinnen und Mieter. Wohnen ist das soziale Thema unserer Zeit, immer mehr Haushalte müssen einen großen Teil ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten aufbringen. Die Mietenkampagne ist ein bundesweiter, koordinierter Versuch die Menschen und die Partei gegen die Abzocke und den Mietenwahnsinn zu organisieren.

Nach der Einführung in die bundesweite Kampagne wurde im Bürgertreff über die bisherige Umsetzung in Potsdam berichtet und die lokale Kampagnenstruktur vorgestellt: Neben einer zentralen Organisationsstruktur existieren zwei Arbeitsgruppen. Die AG Heizkosten und die AG Recherche. Während die Recherche-Gruppe vor allem die teils undurchsichtigen Eigentümer- und Vermieterstrukturen in Potsdam ins Visier nimmt, nach lokalen Konflikten mit Vermietern Ausschau hält, prüft die AG Heizkosten mittlerweile eigenständig Nebenkostenabrechnungen und berät über mögliche Rückzahlungsansprüche. Über die Einreichung eines Fotos/pdf‘s ihrer Nebenkostenabrechnung über das Emailpostfach heizkosten @ dielinke-potsdam.de haben Mieterinnen und Mieter die Möglichkeit, ihre Heizkostenabrechnungen von dem Potsdamer Heizkosten-Team prüfen zu lassen. Hintergrund ist, dass viele Vermieter keine sachgerechte Trennung der Warmasser- und Heizkosten vornehmen und in solchen Fällen ein pauschaler Anspruch einer 15%igen Rückerstattung besteht. In zahlreichen Haustüraktionen haben wir bereits falsche Abrechnungen entdeckt oder ggf. Mieterinnen über ihren Anspruch, mit Erfolg, informiert.

Ein weiteres Instrument ist die sogenannte Mietwucher-App. Mit ihr können Mieterinnen und Mieter überprüfen, ob ihre Miete in illegaler Höhe über dem ortsüblichen Niveau liegt. Alleine im Jahr 2025 sind in Potsdam über diese App 93 Meldungen zu verdächtigen Miethöhen eingegangen, die bereits in 14 Ermittlungsverfahren wegen einer möglichen Ordnungswidrigkeit mündeten.

Nach dem informativen Teil der Veranstaltung ging es noch an die Haustüren im Kiez. Der Versammlungsort in Waldstadt wurde nicht zufällig gewählt, sondern hier konnten typische Muster wohnungspolitischer Fehlentwicklungen im Rahmen der Veranstaltungsplanung identifiziert werden: Insbesondere ostdeutsche Neubaugebiete aus den 1980er Jahren zählen zu beliebten Gebieten für Immobilienankäufe privater Wohnungskonzerne. Hier lassen sich, im teils großen Stil, ganze Häuserblöcke aufkaufen, für ein paar Jahre die, selbstverständlich steigende, Miete einstreichen bevor die Häuser ohne jede Sanierungs- oder Instandhaltungsleistungen wieder weiterverkauft werden. Gezielt wurden daher Mieter:innen von privaten Großvermietern über den Heizkostencheck und weitere Vernetzungs- und Beratungsangebote informiert.

Mit der Auftaktveranstaltung in Potsdam hat die Mietenkampagne ihre lokale Struktur weiter ausgebaut und konnte vermitteln: Die Linke geht die Wohnungsfrage sowohl politisch und medial, als auch ganz praktisch mit konkreter Unterstützung für die Menschen an. Die kommenden Monate sollen genutzt werden, um Mieterinnen und Mieter durch Nachbarschaftsversammlungen stärker zu vernetzen, Beratungsangebote auszubauen und gemeinsam mit der Stadtfraktion und unserer Bundestagsabgeordneten Isabelle Vandre weiteren politischen Druck zu organisieren.

Artikel aus den „Potsdamer andere Seiten“ (S. 1, S. 3)

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