Radverkehrskonzept 2026–2035: Gute Ansätze – aber erneut ohne echte Umsetzungsperspektive

Das neue Radverkehrskonzept 2026–2035 liegt vor. Die AG Mobilität der Linken Potsdam sowie der ADFC Potsdam sehen darin viele sinnvolle Maßnahmen, aber auch ein Déjà‑vu: Die strukturellen Probleme der vergangenen Jahre bleiben bestehen. Zahlreiche Projekte aus dem alten Konzept – etwa an Marquardter Straße, Nedlitzer Straße, Lennéstraße, Charlottenstraße, Horstweg oder Bahnhofstraße – sind bis heute nicht umgesetzt, nur geplant oder zurückgestellt. Diese Verzögerungen prägen auch das neue Konzept.

Paul Wiesenberg (Die Linke) erklärt: „Wir begrüßen die inhaltliche Richtung, aber ohne ausreichende Mittel bleibt alles Theorie. Für eine wirksame Umsetzung bräuchte Potsdam rund 30 Euro pro EinwohnerIn und Jahr – tatsächlich stehen nur maximal 12 Euro bereit. Das ist strukturelle Unterfinanzierung, und sie verhindert seit Jahren echten Fortschritt.“

Philipp Otto vom ADFC Potsdam verweist in seiner Stellungnahme und dem 8-Punkte Plan zum Radverkehrskonzept (https://potsdam.adfc.de/artikel/8-punkte-plan-rvk) auf das Gesamtziel den Radverkehrsanteil über die Jahre substanziell zu steigern: „Wenn es Potsdam als Fahrradstadt ernst meint, muss das Radverkehrskonzept mit klar terminierten Zielen stringend umgesetzt werden. Durch eine einladende Radinfrastruktur – insbesondere durch eine Platz- und Sicherheitssteigerung – ist eine Verkehrsanteil von 40% für den Radverkehr in Potsdam problemlos möglich.“

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Potsdam verweist in seiner Stellungnahme zum Radverkehrskonzept darauf, dass die Stadt in der Radverkehrspolitik bislang vor allem auf kleine Schritte setze und dadurch der Unmut vieler Radfahrender wachse. Zugleich betont der Verband, dass „Radverkehrsförderung nicht nur Geld sondern auch Mut“ brauche und verweist auf Maßnahmen wie die Ausweisung von Fahrradstraßen oder den gezielten Abbau von Parkplätzen, die sich vergleichsweise kostengünstig umsetzen ließen.

Alle drei Organisationen fordern eine klare politische Entscheidung: verlässliche Finanzierung, transparente Priorisierung und eine Umsetzung, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Ohne diese Grundlagen bleibt das Konzept ein Papier, das die Probleme benennt, aber nicht löst.