Schließung der Geburtsstation am St. Josefs ist ein schwerer Rückschlag für Potsdam – Krankenhausreform gefährdet Versorgung und Arbeitsplätze
Die Potsdamer Linke kritisiert die angekündigte Schließung der Geburtshilfe, Gynäkologie und Neurologie am Alexianer St. Josefs-Krankenhaus sowie den weiteren Umstrukturierungen der Potsdamer Krankenhauslandschaft als Folge der Krankenhausreform.
Konstantin Gräfe, Vorsitzender der Linksfraktion in der SVV Potsdam, erklärt:
„Die Schließung der Geburtsstation am St. Josefs ist ein schwerer Schlag für werdende Familien in Potsdam und der Region. Künftig gibt es in der Landeshauptstadt nur noch eine Geburtsklinik – das schränkt die Wahlfreiheit von Schwangeren ein und erhöht den Druck auf die verbleibende Versorgung. Besonders enttäuschend ist der Umgang mit den Beschäftigten: Die Hebammen hatten sich erst vor wenigen Monaten langfristige Arbeitsverträge erkämpft und stehen nun dennoch vor einer ungewissen Zukunft. So geht man nicht mit Fachkräften um, die überall dringend gebraucht werden.
Völlig inakzeptabel ist außerdem, dass mit der Schließung auch Brandenburgs einzige Babyklappe verschwindet. Dieses Angebot für Frauen in extremen Notlagen darf nicht ersatzlos wegfallen. Ich fordere Oberbürgermeisterin Noosha Aubel und Gesundheitsminister René Wilke auf, gemeinsam mit den beteiligten Krankenhäusern kurzfristig eine Lösung zu schaffen, damit die Babyklappe künftig am Klinikum Ernst von Bergmann weitergeführt werden kann.“
Die Potsdamer Bundestagsabgeordnete Isabelle Vandre (Die Linke) ergänzt:
„Die Schließungen in Potsdam zeigen, wohin die Krankenhausreform führt: Statt einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung erleben wir Leistungsabbau, Arbeitsplatzverluste und eine zunehmende Konzentration medizinischer Angebote. Das ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer Politik, die Krankenhäuser weiterhin nach betriebswirtschaftlichen Kriterien organisiert, statt die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Krankenhausreform der Ampel hat den wirtschaftlichen Druck auf die Kliniken nicht beseitigt. Mit den von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken angekündigten Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung droht sich diese Entwicklung sogar weiter zu verschärfen. Wenn die Finanzierung der Krankenhäuser nicht grundlegend verbessert wird, werden weitere Arbeitsplätze verloren gehen und perspektivisch sogar ganze Klinikstandorte gefährdet sein.
Die Linke fordert seit Langem eine auskömmliche Finanzierung der Krankenhäuser nach ihrem Versorgungsauftrag statt nach Fallpauschalen und Sparzwängen. Gesundheit ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht den Zwängen eines Wettbewerbs unter Krankenhäusern untergeordnet werden. Eine gute stationäre Versorgung braucht wohnortnahe Angebote, ausreichend Personal und sichere Arbeitsbedingungen – nicht immer neue Kürzungsrunden.“
